Die Geschichte unseres Hofes
Als wir auf dieses Anwesen gestoßen sind, wussten wir nicht, dass wir in ein Stück Regionalgeschichte einziehen. Erst später, in einem alten Heimatbuch, sind wir auf die Geschichte des „Kleinen Vorwerks“ gestoßen – und die hat es in sich.
Ein Vorwerk war im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein kleinerer, oft entlegener Wirtschaftshof, der einem größeren Gut, Kloster oder Amt unterstand – eine Art Außenstelle zur Bewirtschaftung von Land, das zu weit vom Hauptsitz entfernt lag, um es direkt mitzuverwalten. Bewirtschaftet wurde ein Vorwerk meist nicht vom Eigentümer selbst, sondern von einem Pächter. Genau das war auch bei uns der Fall.
Vom Klosterland zum Vorwerk
Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte das Land hier zum Vorwerk des Klosters Himmelpforten. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, 1648, endete die Klosterherrschaft über die Vorwerke – sie gingen in weltlichen Besitz über und unterstanden fortan dem Amt Himmelpforten. Das Amt teilte das sogenannte Neulander Vorwerk in ein großes und ein kleines und verpachtete beide an Privatpersonen. Unseres – am Ostedeich gelegen, gegenüber der Kleinwördener Mühle, mit rund 13 Hektar Land – war das kleine. Wer es zuerst gepachtet hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Die Schwedenzeit: die ersten Gebäude
Gebäude gab es zu dieser Zeit noch keine. Erst eine Genehmigung der Königlich-Schwedischen Kammer erlaubte den Bau eines Hauses für das kleine Vorwerk – der Pächter musste es allerdings selbst bauen und unterhalten. Die ersten Gebäude entstanden also frühestens nach 1648, in der sogenannten Schwedenzeit. Interessant: Sie standen ursprünglich gar nicht dort, wo der Hof heute steht. Erst nach einem Deichbruch – solche Sturmfluten waren damals keine Seltenheit – wurde der Deich bis an den Hof zurückgesetzt.
Caspar Peters und die Sturmflut von 1717
Um 1708 wird Caspar Peters als Pächter des kleinen Vorwerks genannt. Bei der schweren Weihnachtssturmflut von 1717 ertrank er in seinem eigenen Haus. Danach wohnten hier Klaus Schuhmacher und später sein Stiefsohn Johann-Heinrich Peters.
Der Kampf um den Pachthof
Als das Amt Himmelpforten plante, die ehemaligen klösterlichen Vorwerke zu parzellieren, wandte sich Johann-Heinrich Peters am 26. Oktober 1778 mit einem langen Schreiben an das Amt. Seine Bitte: den Pachthof unangetastet zu lassen. Andernfalls, schrieb er, müsse er mit seiner Familie zugrunde gehen.
Der große Brand von 1779
Nur wenige Monate später, im April 1779, brach im Haus des Nachbarn Heinrich Heinbockel ein großes Feuer aus. Es zerstörte nicht nur dessen gesamtes Anwesen, sondern griff auch auf die Gebäude von Peters über. Das Amt Himmelpforten half beim Wiederaufbau mit 250 Fuß Bauholz. Aus dieser Zeit stammt das neu erbaute Haus, das fortan von Hausmann Johann Peters und seiner Frau Becke bewohnt wurde.
Ohne männlichen Erben
Johann Peters starb 1848 auf dem herrschaftlichen Meierhof am Ostedeich, ohne männliche Nachkommen. Seine Tochter Elisabeth war körperlich beeinträchtigt – kurz vor seinem Tod setzte er deshalb ein Testament auf, das festlegte: Sein Vermögen sollte nicht aufgeteilt, sondern für den Unterhalt seiner Tochter verwendet werden. Erst nach ihrem Tod, um 1853, teilten die Erben den Nachlass unter sich auf. Am Ende erwarb die Familie Steffens – Tochter Anna und ihr Mann Klaus, Zimmermann in Neuland – den Hof für 3345 Taler.
Und heute?
Wie der Hof von den Steffens irgendwann zu uns kam, ist eine Geschichte für sich – die erzählen wir ein anderes Mal. Fest steht: Fast 250 Jahre, nachdem hier das erste Gebäude stand, leben wir heute mit unseren Tieren an genau diesem Ort. Der Deichbruch, die Sturmflut, der Brand – all das ist Teil des Hofes, auf dem wir jetzt Wurzeln schlagen.
Hier gibt es ein paar Infos zum Denkmalschutz-Status des Hofes.
