Diese Geschichte fängt nicht bei uns an, sondern in Botsuana, bei einem alten grau-braunen Esel mit einem eingeschnittenen Muster im Ohr – so kennzeichnet man dort Nutztiere. Er hatte ein langes Arbeitsleben hinter sich: Lasten getragen, den Wagen gezogen, auf dem Feld geholfen.
Als er dafür zu alt wurde, kam er in eine große Sammelstelle für Esel aus ganz Botsuana – zu viele Tiere, zu wenig Platz, zu wenig von allem. Eine kleine NGO half dort mit einer Tierärztin und einer Tierpflegerin, und ich war als Freiwillige mit dabei.
Unter all den Eseln war einer, der immer wieder meine Nähe suchte, egal was er hinter sich hatte. Wir nannten ihn Gandalf. Der Name passte: ruhig, weise, vertrauensvoll, trotz allem.
Seitdem trage ich ein Tattoo für ihn, unser Logo zeigt seine Silhouette, und wer bei uns zu Besuch ist, trinkt seinen Tee ziemlich sicher aus einer unserer Esel-Tassen.
Ich mag eigentlich alle Tiere. Aber Esel sind für mich etwas Besonderes – diese Ruhe, diese stille Beharrlichkeit, das Vertrauen, das sie sich trotz allem bewahren.
Herr Frodo, Samwise, Pippin und Merry sind unser kleines Denkmal für Gandalf – vier graue Kumpels, die jetzt bei uns auf den Marschwiesen grasen und auf ihre nächste Kraul-Einheit warten. Und ehrlich gesagt: Wenn ich mit ihnen rede, rede ich manchmal ein bisschen mit ihm.

